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Impressionen von der Bildungstagung im April 2016 (Fotos: © Bundesstiftung Aufarbeitung / Ladan Rezaeian)
Podiumsdiskussion Lehrerausbildung

Nachlese: "Kontraste, Verflechtung und Abgrenzung" - Deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte als Gegenstand des Schulunterrichts"                                     Bildungstagung am 22./23. April in Hamburg (Zusammenarbeit Bundesstiftung Aufarbeitung und LI Hamburg)

Eine "ganz besondere Fundgrube" seien DDR-Themen für den Geschichtsunterricht - mit dieser Formulierung eröffnete Dr. Schröder (LI, HH) die bundesweite Bildungskonferenz zur deutschen Nachkriegsgeschichte und begrüßte die knapp 200 Teilnehmer, Referenten und Redner am LI in Hamburg. Die deutsche Nachkriegsgeschichte und insbesondere der vergleichende Blick auf die Entwicklung und das Werden des einen und des anderen deutschen Staates standen in den zwei Tagen im Fokus. Die fundierte Quellenlage, die Perspektiven von und durch Zeitzeugen, die nahezu greifbare Gegenwärtigkeit machen dieses Thema so attraktiv für den GU. Die nicht nur zum Hamburger Abitur 2018 zu stellende und zu beantwortende Frage nach "Deutschlands doppelter Diktaturerfahrung: Wie sinnvoll ist ein Vergleich der NSZeit mit der DDR?" wurde bei dieser Tagung mit bewährten Perspektiven und neuen Akzenten versehen. Die DDR mit all ihren Facetten sowie Gemeinsamkeiten und Unterschieden zur BRD, im Kontext nationaler als auch internationaler historischer Narration ist zweifelsohne ein relevantes Thema in der Gegenwart - aber wie kann dieses komplexe Thema fern von Ostalgie und Verklärung par excellence für Schulklassen und Oberstufenkurse "schülertauglich" aufbereitet werden?

Renommierte Wissenschaftler, Fachdidaktiker, Multiplikatoren und Lehrkräfte widmeten sich dieser Frage in einem gefüllten und ansprechenden Tagungsprogramm mit vielen Unterrichtskonzepten und Ansätzen für den schulischen Alltag. Inspirierende Workshop-Angebote, Zeitzeugen-Gespräche, Podiumsdiskussionen und ein offenes Forum als Abschluss der Veranstaltung zeigten ein breites Spektrum an Auseinandersetzung mit der BRD-DDR Geschichte mit ihren Kontrasten, Verflechtungen und Abgrenzung - eben der vielfach zitierten "asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichte" wie Prof. Dr. Kleßmann bei seinem Eröffnungsvortrag betonte. Der doppelte Blick mache Zusammenhänge und Wechselwirkungen deutlich, so Kleßmann, wenngleich dieser Ansatz der Verflechtung nicht überstrapaziert werden solle. Der größere europäische Kontext sei nicht zu vernachlässigen und die Dichotomie von geglückter Erfolgsgeschichte der BRD und Negativfolie der DDR sei überholt. Er benennt drei Bezugsfelder resp. tragende Elemente der deutschen Nachkriegsgeschichte: 1) Besatzungsmächte und Beziehungen der Deutschen zu ihnen, 2) die eigenständige innere Entwicklung von Demokratie und Diktatur und 3) die spezifischen Formen von Wechselwirkungen und Verflechtungen; in diesem Kontext seien die jeweiligen Entwicklungsphasen und Profile der deutschen Staaten einzuflechten. Zentrale Aspekte bildeten in der Nachkriegsgeschichte als 'Kontrastgeschichte' (Kleßmann) bspw. die Auseinandersetzung mit der Frage '1945 - Katastrophe oder Befreiung?', die spezielle Determinante des Ost-West-Konflikts durch den Kalten Krieg, die Teilung Deutschlands, der atomare Patt der 60er Jahre, erste Risse im Block, Eigendynamik der Entspannung, KSZE-Konferenz sowie systemübergreifende Problemlagen wie Friedens- /Antiatomkraftbewegung.

 

 

Demnach fanden sich Themen in den Workshops, die einen Blick auf die eine oder andere Seite der innerdeutschen Grenze warfen, sich nicht aber dem Diktat des permanenten Vergleichs zwecks Erkenntnisgewinn unterwarfen und methodische sowie inhaltliche Angebote lieferten.

Mit Rückbezug auf seinen Vorredner betonte Prof. Dr. Thießen, dass der "Blick über den nationalen Tellerrand" nötig und durchaus lohnenswert sei. Die DDR sei fester Bestandteil unserer Gegenwart und erlaube es überdies aktuelle europaweite Transformationsprozesse  zu analysieren. Zudem sei das Thema DDR ein hervorragender Lerngegenstand im problemorientierten GU, um die Sach- und Methodenkompetenz zu fördern, sei es über Aktenarbeit (bspw. anhand der Materialien der BStU mit Original-Aktenauszügen) oder anhand gegenwärtiger Erscheinungsformen innerhalb der Erinnerungskultur. Die zentrale Forderung, den ohnehin impliziten Vergleich insbesondere im GU explizit zu machen, wurde veranschaulicht durch den klassischen Birnen-Äpfel-Vergleich, der Unterschiede betone ebenso wie Gemeinsamkeiten. SchülerInnen vergleichen ohnehin - LehrerInnen auch!

Die gut besuchten Workshops boten Raum für intensiven Austausch und anregende Impulse. Kleine Schlaglichter aus den Workshops von A bis Z: von Alltag - diktaturfrei?, einer App der Universität Leipzig zu den Ereignissen 1989/90, einem Brettspiel 'Bürokratopoly' zur Machtpyramide der DDR, Elf 99, von der Wandlung einer staatsnahen Jugendsendung zur kritisch hinterfragenden politisch engagierter Jugendlicher, natürlich auch Fußball in der DDR, Grenzerfahrung im Zonenrandgebiet, DDR- Fotografien des Alltags, über Kalter Krieg im Film und Rock in der DDR bis hin zu Urteilsbildung im GU, Vergangenheitsbewältigung und Zeitzeugen - um nur einige zu nennen.

Einen bleibenden Eindruck hat am Abend des ersten Tages Jochen Stern als Zeitzeuge oder als "menschgewordene didaktische Reduktion" (Thießen) hinterlassen, der im Gespräch mit Dr. Hüttmann seine Erfahrungen in/mit der DDR schilderte. Wegen Spionagevorwurf angeklagt, wurde er verurteilt und als Häftling nach Bautzen gebracht, wo er sechs Jahren inhaftiert war und dann amnestiert und in die BRD 'entlassen' wurde. Er - wie auch viele weitere Zeitzeugen - sind über das Zeitzeugenbüro der Stiftung Aufarbeitung (www.zeitzeugenbuero.de) erreichbar und können berichten aus ihrem Leben und durch 'retrospektive Sinnstiftung' (Welzer) den Schülern Narration und Perspektivität von Geschichte verdeutlichen.

 

Die durch den krankheitsbedingten kurzfristigen Ausfall des Vortrags von Prof. Dr. Baberowski freie Zeitschiene am Samstagvormittag erlaubte eine Filmvorstellung von "1989 - Poker am Todeszaun" (2014) (http://www.gebrueder-beetz.de/produktionen/1989-doku), der die politische Zwickmühle der ungarischen Regierung rund um die Grenzöffnung 1989 schildert und daran anschließend themenentsprechend Dr. Hüttmann die Vorstellung eines weiteren Zeitzeugen des Zeitzeugenbüros einband, der als 16-Jähriger  Anfang Oktober 1989 mit seiner Mutter eben über die ungarische Grenze in die Bundesrepublik flüchtete.

 

Der zweite Tag rundete die vielen Eindrücke der Workshops nochmals ab durch eine Podiumsdiskussion und ein offenes Forum. Die rege Podiumsdiskussion zur Sinnhaftigkeit eines Vergleichs von NS-Diktatur und SED-Diktatur, kulminierte bekannte Thesen innerhalb der Geschichtsdidaktik. Dr. Hüttmann betonte, dass 'vergleichen' keineswegs 'gleichsetzen' bedeute, NS-Verbrechen weder zu relativieren noch SED-Unrecht zu bagatellisieren sei und der Vergleich dem historischen Lernen förderlich sei. Prof. Dr. Kleßmann unterstrich, dass diese Vergleiche nicht stets als 'Säurebad des Vergleichs' (Wehler) zu betrachten seien, sondern oftmals zu neuen Fragen führten, die zu beantworten seien.

Resümierend lieferte die Bildungskonferenz neue Impulse für die Auseinandersetzung im GU und eröffnete einige Perspektiven und allein der Austausch unter Kollegen schuf Ideen und Projekte. Der abrundende Programmpunkt bildete ein recht kritisches Forum mit Vertretern des Verbandes der Geschichtslehrer und engagiertem Publikum über die Rolle der DDR-Geschichte im GU, Qualität und Defizite in der Lehreausbildung sowie denkbare Reformen in der Lehrerausbildung. Sicherlich werden Anregungen aus dieser Runde auch in Lehrplankommissionen und in die Lehrerausbildung und -fortbildung getragen werden.

Das Schlusswort von Dr. Schröder und Dr. Hüttmann fasste klar zusammen, was diese Tagung so anregend und bereichernd zugleich machte: eine starke bundesweite Resonanz und ein überzeugendes Programm, welches insgesamt den Teilnehmern sehr viel (mit-)gegeben hat.

So bleibt es, mit den Worten Dr. Hüttmanns zu schließen: "Wir würden uns freuen, wenn wir in Kontakt bleiben."

 

 

Tagungsbericht der Bundesstiftung:

http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/uploads/2016-pdf/2016-04-23-tagungsbericht-lehrerkonferenz-hh.pdf

 

Weitere Links zur Tagung/zum Thema:

http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

http://www.zeitzeugenbuero.de/

http://www.bstu.bund.de

Tagungsprogramm

Impressionen der Bildungstagung 'Kontraste, Verflechtung, und Abgrenzung' im April 2016 (Bundesstiftung Aufarbeitung/LI Hamburg)

Alle Bildrechte:

© Bundesstiftung Aufarbeitung / Ladan Rezaeian

Kurzbericht

Tagung "Kontraste, Verflechtung und Abgrenzung: Deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte als Gegenstand des Schulunterrichts" ist mit bundesweiter Beteiligung von interessiertem Fachpublikum erfolgreich angenommen worden.

Podiumsdiskussion "Deutsch-deutsche Geschichte in der Lehrerausbildung?"

Unsere Mütter, unsere Väter

In dieser ZDF-Fernsehproduktion wird aus der Erlebnis-Sicht von damals fünf Jugendlichen der Russland-Feldzug und der Zweite Weltkrieg thematisiert.

Weitere Informationen und Erläuterungen für den Unterricht: umuv.zdf.de



Neuer Arbeitskreis "Archäologie"

Der Arbeitskreis des VGD setzt sich mit der korrekten und aktuellen Widerspiegelung archäologischer Themen sowie der stärkeren und sinnvollen Integration der Ur- und Frühgeschichte in Unterricht, Lehrplänen und Lehrwerken auseinander. Interessenten an einer Mitarbeit sind herzlich willkommen und wenden sich bitte per Mail an Isabella Engelien-Schmidt M.A.: i.engelien.arch (at) web (Punkt) de

Ein erster Tagungsband zum Thema "Archäologie, Schule und Museum im Spannungsfeld kultureller Bildung" ist kostenlos abrufbar unter

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/ojs/index.php/arch-inf/issue/view/1211/showToc

Geschichtslehrer beklagen Qualität der Lehrerausbildung

Mit großer Sorge betrachten die organisierten Geschichtslehrer in Deutschland die Ausbildung des pädagogischen Nachwuchses. "Wir fordern den Erhalt des fachspezifischen Studiums und der wissenschaftsorientierten Lehrerausbildung für das Fach Geschichte", sagte der Bundesvorsitzende des VGD Ulrich Bongertmann. Die gesamte Pressemitteilung können Sie hier nachlesen.


Chef der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin fordert eingehende Beschäftigung mit DDR-Diktatur im Geschichtsunterricht

Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, ist der Auffassung, daß kommunistische Dikaturen in der Schule eine größere Rolle spielen sollten: "Die DDR wird oft nur als Teil des Ost-West-Konflikts dargestellt. Dadurch entsteht bei Schülern der Eindruck, daß sich zwei Machtblöcke gestritten hatten und die Mauer nur gebaut wurde, damit wieder Ruhe einkehrt." Viele Schüler verstünden nicht, daß es Ideologie war, die zu Terror und Unterdrückung geführt habe. Auch der Beauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn sagt, Schulen müßten mehr vermitteln als DDR-Faktenwissen: "Wir brauchen Freiräume im Unterricht, die zur Vertiefung dienen." (SZ, 7.1.14)

Karlsjahr in Aachen

Vor 1200 Jahren starb der fränkische König und römische Kaiser Karl der Große (748-814). Aus diesem Anlaß begeht die Krönungsstadt Aachen ein "Karlsjahr" mit zahlreichen Vorträgen, Führungen und Workshops zur Geschichte und Archäologie der frühmittelalterlichen Lebenswelt.

Arbeitskreis "Deutsch-jüdische Geschichte"

Der wiederbelebte Arbeitskreis des VGD setzt sich mit verschiedenen Aspekten der Geschichte der Juden in Deutschland und dem Verhältnis zur nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft auseinander. Interessenten an einer Mitarbeit wenden sich bitte an den Hamburger Landesvorsitzenden Helge Schröder.

Neuigkeiten

Hamburg-Geschichtsbuch

 

http://geschichtsbuch.hamburg.de/

Zeitzeugengespräche

Angebot der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Auslegeblätter ZzG Mai 2017.pdf
PDF-Dokument [247.4 KB]

"Geschichtsunterricht: Orientierung in stürmischen Zeiten"

 

Positionspapier des Geschichtslehrerverbandes NRW
VGD NRW Paper 2017.pdf
PDF-Dokument [216.6 KB]

Reformation reloaded?

500 Jahre Thesenanschlag Martin Luthers.
Eine fächerübergreifende Tagung zur Bedeutung der Reformation für den Unterricht
Freitag, 12. Mai 2017
Anmeldung unter TIS bis zum 20. April:

https://tis.li-hamburg.de/web/guest/catalog/detail?tspi=40126_

Historikertag 2018 in Münster

Vorbereitungen haben begonnen - mehr unter

http://www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=8637

Lehrerfortbildung zum deutsch-polnischen Geschichtsbuch - neuer Termin: Freitag, 16. Juni 2017, 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

 

Neue Inhalte, neue Didaktik, neue Methoden? Das binationale deutsch-polnische Geschichtsbuch als Chance für einen europäischen Geschichtsunterricht

Jetzt unter TIS anmelden:

https://tab85bcb7.emailsys1a.net/c/181/1061432/140/0/557158/323/25836/01ae0f7c62.html

 

Lesereise „Kriegskinder – historische und gegenwärtige Perspektiven“
Harald Hinsch und Aleksander Kovarski berichten an Hamburger Schulen  23. Mai 2016

 

Zeitzeugen im Unterricht

Angebot für Mitglieder des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands e.V.: Geschichtsbuch als deutsch-polnisches Kooperationsprojekt:

Gemeinsam Geschichte schreiben: Das möchte das neue Geschichtsbuch für die Schule „Europa – Unsere Geschichte“.

Ein Exemplar für 50% des Verkaufspreises 24,80€ - Bestellungen unter:

 

Ausstellung zum Vernichtungsort Malyj Trostinez auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in Erinnerung an die Deportation von Hamburger Juden nach Minsk vor 75 Jahren / Möglichkeit eines Zeitzeugengesprächs.

Mehr unter:

Fortbildungen / Seminare / Angebote für den Unterricht

 

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Fortbildungsseminare in Auschwitz & Majdanek

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